Vom 10. bis 14. Juni 2026 nahmen wir, die EuroApprentices Ostbelgiens, am internationalen Meeting in Danzig, Polen, teil. Jährlich kommen junge Menschen aus verschiedensten Teilen Europas zusammen, um sich über immer aktuelle Themen auszutauschen. Dieses Mal ging es um Migration, Solidarität und Demokratie. Durch interaktive Workshops konnten wir die Themen erleben und mit unserem Alltag verbinden. Außerdem besichtigten wir zwei Museen über die Geschichte Polens mit Bezug auf Migration in andere Länder und die Solidaritätsbewegung. Dazu passend war ein Highlight des Programms der Besuch des ehemaligen Präsidenten und Anführers des politischen Wandels, Lech Wałęsa. Durch dieses Treffen war es uns möglich, unser Wissen im geschichtlichen, politischen und kulturellen Bereich zu erweitern und Kontakte zu knüpfen.
In den verschiedenen Workshops wurden oftmals Kleingruppen geformt mit Teilnehmern aus verschiedenen Ländern. So war es möglich, seine eigene Perspektive zu teilen und auch die Erfahrungen aus anderen Nationen zu hören. Trotz der starken Verbindung durch die geografische Lage in Europa und die Mitgliedschaft in der Europäischen Union gab es überraschende Momente in diesen Austauschen.
Das Emigrationsmuseum in Gdynia befindet sich im historischen Seebahnhof, dem Gebäude, von dem aus im frühen 20. Jahrhundert Tausende Polen auswanderten. Die Ausstellung erzählt anhand persönlicher Schicksale von Hoffnungen, Verlusten und dem Ringen um Zugehörigkeit in der Fremde. Es gab ebenfalls einen kleinen Beitrag der Red Star Line, die mit Passagierschiffen Menschen von Antwerpen in die Vereinigten Staaten von Amerika brachte. Interaktive Elemente machen die Geschichten unmittelbar erfahrbar und laden dazu ein, Migration als das zu verstehen, was sie ist: eine zutiefst menschliche Erfahrung.
Das Europäische Solidaritätszentrum steht direkt neben der Danziger Werft, dem Ort, an dem 1980 die Gewerkschaft Solidarność entstand und der gewaltlose Widerstand gegen das kommunistische Regime seinen Anfang nahm. Die Ausstellung dokumentiert diesen Kampf für politische Freiheit und Arbeitnehmerrechte, der den demokratischen Wandel Mittelosteuropas maßgeblich mitgestaltete. Das war eine eindringliche Erinnerung daran, was ziviler Mut bewirken kann.
Ein persönliches Highlight war die Begegnung mit Lech Wałęsa, Werftarbeiter, Mitbegründer der Solidarność, Friedensnobelpreisträger 1983 und polnischer Staatspräsident von 1990 bis 1995. Er sprach offen über seinen Weg, den damals nötigen Mut und die Bedeutung demokratischer Werte für heutige Generationen. Außerdem hatten einige von uns die Möglichkeit, unsere Fragen an ihn persönlich zu stellen. Einer Person gegenüberzustehen, die Geschichte aktiv mitgeschrieben hat, war eine Erfahrung, die kein Lehrbuch ersetzen kann. Seine Leidenschaft, auch noch im hohen Alter junge Menschen zu motivieren und zu inspirieren, war einfach nur ansteckend und bewegend.